In diesem Blogbeitrag befassen wir uns mit dem Thema: Was gilt es zu beachten, wenn ich eine Holzterrasse in Küstennähe bauen möchte?

Grundlagen

Vorweg gesagt: Die einzelnen Schichten, bzw. der Aufbau einer Holzterrasse/Dielenterrasse ist grundlegend, unabhängig von der Lage, immer gleich. Egal wo sie gebaut ist, eine Terrasse aus Terrassendielen benötigt:

Das Fundament

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Die gängigsten Fundamente für Holzterrassen sind betonierte Punkt- oder Streifenfundamente, sowie nicht betonierte Steinfundamente aus zum Beispiel Betonplatten oder Randsteinen. Das Fundament sollte immer mit leichtem Gefälle errichtet werden, damit kein Regenwasser darauf stehen bleibt. Logischerweise sollte das Gefälle, wenn es direkt an ein Gebäude grenzt, von diesem entfernend abfallen. Bei freistehenden Holzterrassen – also ohne Anbindung an ein Gebäude – kann dies in beliebiger Richtung geschehen, bevorzugt aber in Längsrichtung der Dielen, damit speziell der Werkstoff Holz stets gut abtrocknen kann.

Die besonderen Anforderungen bei Küstennähe

Der unterscheidende Faktor beim Bau einer Dielenterrasse in Küstennähe sind die vier sogenannten Korrosionswiderstandsklassen (abgekürzt KWK)

Diese KWK in Küstenregionen wird durch die Nähe zu salzhaltigem Wasser bestimmt und ist abhängig vom Chloridgehalt der Umgebung. Grundsätzlich gilt: Je näher die Terrasse an salzreichen Gewässern gebaut wird, desto höher sind auch die Anforderungen an das Terrassenmaterial, insbesondere das Schraubenmaterial. Kurzum lässt sich sagen: Mit ansteigender Chloridbelastung wird auch die KWK höher.

Hier soll nicht verschwiegen werden, dass, nur weil eine Schraube irgendwann zu rosten beginnt, sie im nächsten Moment nicht gleich abreißt. Jedoch sieht eine rostende Schraube auf der Terrasse nicht gut aus und mit der Zeit wird das Schraubenmaterial geschwächt. Das ist insbesondere bei der Betrachtung von statisch relevanten Bauwerken wieder interessant. Mit diesem Aspekt wollen wir beginnen.

Statischer Aspekt

Schon ab einer Höhe von 65 cm (in manchen Bundesländern sogar schon ab 50 cm) gilt eine Terrasse als aufgeständert und muss nach statischen Grundlagen als tragende Konstruktion geplant und gebaut werden. Hier muss der Bau einer Terrasse aus baurechtlicher Sicht von einem Fachbetrieb ausgeführt werden, evtl. ist sogar ein Geländer vonnöten usw.. Dabei muss auch entschieden werden, welche Rolle zum Beispiel die Terrassenschrauben zum Befestigen der Dielen für die Statik spielen. Sind sie relevant, muss gewährleistet sein, dass die Schrauben durch die passende KWK auch korrosionsbeständig und konstruktionssichernd sind. Eventuell auch interessant: Terrassen aus Thermoholz, chemisch verändertem Holz (CMT-Holz) oder WPC/NFK dürfen nur aufgeständert werden, wenn für das Material eine bauaufsichtliche Zulassung oder eine ETA vorliegt, die das erlaubt.

Optischer Aspekt

Hat eine Dielenterrasse keine statischen Anforderungen zu erfüllen ist die KWK tatsächlich rein faktisch gesehen nur für die Optik wichtig. Sprich: Rostende Schrauben auf der Terrasse sehen nicht gut aus und können zu Verfärbungen im Holz führen, was wiederum zu einem wirtschaftlichen Schaden werden kann. Die Verfärbungen in den Dielen können in einigen Fällen nicht mehr beseitigt werden, was den Austausch der betroffenen Holzdiele zur Folge hat. Das ist natürlich ein unnötiger Kostenfaktor, dem man durch die Wahl des geeigneten Schraubenmaterials vorbeugen kann. Eine Terrasse mit ungeeigneten Schrauben ist aber nicht gleich eine “schlechte” Terrasse.

Korrosionswiderstandsklassen an der Deutschen Küste

Im dritten Teil unserer Wissensreihe Terrassenschraube – Material und Aufbau  findet ihr eine Übersicht zur “Werkstoffauswahl bei atmosphärischer Exposition”. Aufmerksame Leser unseres Blogs wissen also bereits, dass die KWK in Küstenregionen nach der Entfernung zum Meer (salzhaltigen Gewässern) zu berechnen ist. In unserer Galerie der Deutschen Küsten soll dies veranschaulicht werden:

Gesamtübersicht Deutsche Küsten

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KWK II

Gebiete ab einer Entfernung von 10 km zum Meer sind als Küstenregionen einzustufen. Sie haben die KWK II. Das bedeutet, hier ist bereits mindestens das Schraubenmaterial A2 zu empfehlen.

KWK III

Ab einer Entfernung von 1 km zum Meer erhöht sich die KWK auf Klasse III. Es sind A4 Schrauben zu empfehlen.
Die Gischt des Meeres kann bei starkem Wind bis in diese Regionen getragen werden, weshalb mit einem höheren Salzgehalt in der Luft zu rechnen ist. Dieser erhöhte Salzgehalt kann sich dann auf die Korrosionsbeständigkeit des Schraubenmaterials einer Terrasse in diesem Gebiet auswirken. Dabei gilt jedoch zu erwähnen, dass bei der regelmäßigen Reinigung von Terrassen in dieser Lage (Salzablagerungen werden dabei entfernt) eine KWK der Klasse II ausreichend sein kann.

KWK IV

Alle Gebiete unter 250 Meter Nähe zum Salzwasser gelten als unmittelbarer Spritzbereich des Meerwassers. Hier sind die Anforderungen an das Schraubenmaterial besonders hoch, weshalb sich die KWK auf Klasse IV erhöht. Das bedeutet A5 Edelstahlschrauben sind zu empfehlen. Auch hier wirkt sich, wie eben genannt, die regelmäßige Reinigung, also Verminderung der Salzeinwirkung, mildernd auf die benötigte KWK aus, sodass auch A4 Schrauben eingesetzt werden können.

Speziell für den Spritzwasserbereich gibt es eine gesonderte Form von A4 Terrassenschrauben mit Zinklamellenbeschichtung. Dabei handelt es sich um eine “verbesserte” A4 Schraube im niedrigeren Preissegment als eine A5 Schraube, jedoch ähnlich korrosionsbeständig gegen den Einfluss von Meerwasser.

Fazit

Wenn ihr also plant, eine Terrasse in Küstennähe zu bauen, solltet ihr insbesondere bei der Wahl der Schrauben einige Dinge beachten, damit es später nicht zu unschönen Verfärbungen eurer neuen Dielenterrasse kommt. 

Wir wünschen euch viel Erfolg beim Bau eurer Terrasse!  

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