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„Was für eine Niete!“ – Bitte nicht falsch verstehen, das ist keine Beleidigung. Vielmehr das Gegenteil, denn unseren heutigen Blogbeitrag widmen wir dem Verbindungselement „Niet“, oder besser dem „Blindniet“.

Obwohl das Nieten zu den ältesten Verbindungsmethoden zählt, wird dieses Verfahren auch heute noch häufig angewendet. Warum das so ist könnt ihr hier nachlesen.

Zeitloser Halt

Nieten wurden schon sehr früh erfunden. Damals steckte man einfach einen erhitzten Metallstift durch eine Öffnung und schlug die Enden mit einem Hammer breit. Oft wurden damit Lederteile miteinander verbunden oder einfaches Werkzeug und Behälter hergestellt.

Heutzutage wird der Hammer eher weniger verwendet, sondern spezielle Zangen die präziseres Arbeiten und leichtere Handhabung ermöglichen. Auch die Einsatzgebiete haben sich der modernen Zeit angepasst. So ist der Niet heute aus dem Flugzeug- oder Schiffsbau nicht mehr wegzudenken und verbindet mehrschichtige Bleche, aber auch spröde Werkstoffe, wie Kunststoff, miteinander.

Im Gegensatz zu einer verschweißten, verklebten oder verschraubten Verbindung haben Nieten einen entscheidenden Vorteil: Sie sind nach der Montage leicht flexibel, bzw. vibrationsfest, und schwächen die zu verbindenden Materialien nicht, wie es z. B.: beim Schweißen, durch die entstehende Hitze, passiert.

Sonderform: Blindniet

verschiedene Blindnieten in ReiheEine Sonderform des Niets ist der sogenannte Blindniet, auch bekannt als Dornniet, Zugdornniet oder Popniet. Dieser Name stammt nicht etwa von einem Handwerker mit schwachem Augenlicht, sondern rührt viel mehr daher, dass der Niet nur von einer Seite aus befestigt werden muss. Dies ermöglicht eine Verbindung von großen Bauteilen, die mit einer einfachen Zange einfach nicht umsetzbar wären. Der Zugriff auf die Sichtseite genügt.

Kopf bis Dornenspitze

Der Aufbau einer Blindniete ist komplizierter als man vielleicht annehmen möchte. Er besteht aus zwei Teilen: Einer hohlen kleinen Röhre, dessen eines Ende eine Art Kranz bildet, und einem Dorn, der in der Röhre steckt, und auf einer Seite eine Verdickung aufweist. Bei der Röhre handelt es sich um den eigentlichen Niet. Der Dorn wird nur für die Montage verwendet und ist danach nutzlos.

Der eben erwähnte Kranz wird auch als Kopf bezeichnet und ist in verschiedenen Ausführungen verfügbar. Die beste Kombination aus Druckverteilung und Höhe wird mit dem Flachkopf erreicht, weshalb diese Form auch am weitesten verbreitet ist. Ein Senkkopf ist dann in Verwendung, wenn die Bauteiloberfläche ebenmäßig sein soll, um beispielsweise den Luftwiederstand zu verringern. Für eine optisch ansprechende Form sorgt der Flachrundkopf. Zudem verhindert er durch den runden Kopf Verletzungen. Eine Besonderheit ist der Schaft, der den sogenannte Klemmbereich vorgibt. Denn anders als bei, z. B.: einer Schraube, ist eine Niete für mehrere Dicken geeignet.
Genug vom Niet, kommen wir zu dem Dorn. Dieser hat, wie eben erwähnt, eine Verdickung. Sie sorgt bei der Montage dafür, dass das Material des Niets aufgebogen wird. Dazu später mehr wenn es um die Verarbeitung geht. An einer vordefinierten Stelle befindet sich eine kleine Kerbe, die als Sollbruchstelle wirkt.

W wie Werkstoff

Das Material, aus dem der Niet und Dorn hergestellt ist, spielt eine wichtige Rolle. Je nach Verwendungszweck sind Materialien, wie verzinkter Stahl, Edelstahl A2 und A4, Aluminium, Kupfer oder Kunststoff, im Einsatz. Es kommt durchaus vor, dass beide Elemente aus unterschiedlichen Werkstoffen bestehen, zum Beispiel um die Kosten gering zu halten. Ist eine hohe Langlebigkeit gewünscht sind meist beide Teile aus dem selben Werkstoff.

Die Montage

Animation Blindnietenmontage

Animation einer Blindnietenmontage (Zum Starten bitte anklicken)

Jetzt kommen wir endlich zur Montage eines Blindniets, und die ist sogar relativ einfach. Zu Beginn benötigen wir ein Bohrloch in den zu verbindenden Blechen und eine spezielle Blindnietzange. Im Regelfall sollte das Loch etwa einen Millimeter größer als der Nietdurchmesser sein. Der Niet wird mit den Kopf nach vorne gerichtet in das Loch gesteckt, sodass der Dorn aus dem Bauteil ragt. Jetzt kommt die Blindnietzange ins Spiel.
Mit dem passenden Mundstück wird der Dorn gefasst und anschließend der Hebel betätigt. Dabei zieht die Zange an dem Dorn ohne die Position des Niets zu verändern, wodurch die Verdickung den Niet auf der Rückseite des Blechs weitet und so an die Rückseite des Werkstückes presst. An der Sollbruchstelle reißt der Dorn ab und fällt aus dem hohlen Niet. Gratulation, der Blindniet ist fest und sofort belastbar.

Fazit

Klein und unscheinbar, dennoch so vielseitig und verlässlich. Eingesetzt in allen Bereichen unseres Lebens sorgt sie für Sicherheit und Stabilität, wie beim Flug in den wohlverdienten Urlaub. In verschiedenen Ausführungen halten sie Fahrräder und Autos zusammen und lassen Schiffe jahrzehntelang sicher über das Meer segeln. Die Blindniete.


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