Holzleim in Verwendung

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Wie der Name schon sagt, nimmt man Holzleim zum Verbinden von Holz oder Holzwerkstoffen, z.B. Spanplatten oder Holzfaserplatten. Man greift zu diesem Befestigungsmittel, wenn eine mechanische Befestigung, z.B. mit Schrauben, nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Es gibt viele verschiedene Arten von Holzleim. Aber wo liegen die Unterschiede und wann benutze ich welchen?

Holzleime unterscheiden sich nach folgenden Merkmalen:

  • Wasserbeständigkeit (Beanspruchungsgruppen)
  • Verarbeitbarkeit (Aushärtezeit, z.B. Expressleim)
  • Klebekraft
  • Inhaltsstoffe

Wir konzentrieren uns auf die Wasserbeständigkeit und auf die Inhaltsstoffe.

Wasserbeständigkeit

Hier unterscheidet man 4 Beanspruchungsgruppen nach DIN/EN 204 (früher DIN 68602):

Beanspruchungsgruppe
Innenbereich
Außenbereich
D1 (B1)
Holzfeuchte max. 15 %,
nur Trockenbereich
nein
D2 (B2)

Gelegentliche kurze Wassereinwirkung,
z.B. durch Spritzwasser,
Holzfeuchte max. 18 %

nein
D3 (B3)

Häufige kurze Wassereinwirkung,
höhere Luftfeuchtigkeit,
z.B. Bad oder Küche, aber nicht direkt Nassbereich, feuchte Keller

Ja, aber ohne direkte Bewitterung,
z.B. geschützter Bereich
(konstruktiver Holzschutz)
D4 (B4)

Häufige und auch länger anhaltende Wassereinwirkung,
z.B. Nassbereich Bad oder Küche

Ja, auch mit direkter Bewitterung
bei entsprechendem Oberflächenschutz

Gelegentlich wird D2 auch für feuchte Kellerräume als geeignet angesehen; wir raten hierbei im Einzelfall eher zu D3.

Leider findet man auf den Verpackungen vieler Leime keine Hinweise auf die Beanspruchungsgruppe, sondern nur indirekt, z.B. wasserfest. Es gibt Holzleime „wasserfest“ in den Beanspruchungsgruppen D3 und D4. Diese unterscheiden sich aber in der Wasserfestigkeit deutlich. Im Zweifel solltet ihr genauer auf die Produktbeschreibung achten oder nachfragen.

Inhaltsstoffe

Holzleime mit natürlichen Inhaltsstoffen

Die beiden bekanntesten sind

  • Glutinleim aus tierischen Abfällen, z.B. Knochenleim oder Hautleim. Diese natürlichen Kleber sind meist als Granulat erhältlich, das mit Wasser aufgekocht wird und dann eine gallertartige Masse ergibt. Glutinleim wird außer zur Restaurierung alter Möbel, für Intarsienarbeiten oder beim Bau von Musikinstrumenten kaum noch eingesetzt.
  • Kaseinleim beseht aus Kasein (ein Teil des Milcheiweißes) und gelöschtem Kalk. Kaseinleim ist wasserfest und sehr hitzebeständig.
    Kleiner Tipp am Rande: Man kann Kaseinleim auch selber herstellen, indem man 4-5 Teile normalen Magerquark mit 1 Teil gelöschtem Kalk intensiv mischt.

Holzleime mit synthetischen Inhaltsstoffen

  • Formaldehydharzleime
    Diese enthalten das umstrittene Lösungsmittel Formaldehyd und werden z.B. industriell eingesetzt, etwa bei der Herstellung von Spanplatten oder im Bootsbau. Im Heimwerkerbereich spielen sie so gut wie keine Rolle.
  • Formalhehydarme Leime
    Am bekanntesten ist hier der sogenannte Weißleim, ein formaldhydfreier, lösemittelfreier Dispersionsleim. Weißleim ist in flüssiger Form milchig-weiß und ist nach der Aushärtung transparent (klar). Dieses Klebemittel ist für Heimwerker die erste Wahl und wird auch von holzverarbeitenden Profis oft eingesetzt.
    Von Dispersionsleim spricht man, weil das Bindemittel in Wasser nicht gelöst ist, sondern sehr fein verteilt (dispergiert) ist. Als Bindemittel findet man hier sehr häufig Polyvinylacetat, abgekürzt PVAc. Beim Aushärten wird das Wasser an den Werkstoff oder die Luft abgegeben und die Bindemittel-Moleküle verbinden sich zu einem festen Klebstoff, der transparent (klar) aushärtet.
    Weißleim gibt es in allen Beanspruchungsgruppen, am meisten verbreitet sind allerdings D1 und D2, teilweise auch D3 („wasserfest“). Es gibt für D3-Leime spezielle Härter bzw. Vernetzer, um D4-Leim zu erhalten. Falls man diese Lösung wählt, sollte man den Härter unmittelbar vor Gebrauch zugeben und diese Mischung dann zügig verarbeiten.
    Es gibt auch sogenannten Expressleim, der bereits nach wenigen Minuten aushärtet. Das ist praktisch, wenn man „über Kopf“ arbeitet oder sich die Montage mehrerer Werkstücke nicht über mehrere Tage hinziehen soll. Für das Verleimen lackierter Oberflächen gibt es speziellen Lackleim.
    Noch ein wichtiger Punkt: Bei öl- oder stark harzhaltigen Tropenhölzern eignet sich Weißleim nicht so gut, weil der Leim nicht in das Holz eindringt. Durch Anschleifen oder Abhobeln der zu verklebenden Oberfläche erzielt man bessere Ergebnisse. Falls möglich, solltet ihr einen Klebeversuch durchführen.
  • Polyurethanleime (PU- oder PUR-Leime)
    Diese Leime sind wasserfest (D4) und kleben viele Materialien, nicht nur Holz. Bei der Verarbeitung ist auf gute Lüftung und Schutzmaßnahmen zu achten. Diese Kleber werden aus rechtlichen Gründen nur an gewerbliche Anwender ausgegeben.

Ihr seht also, Leim ist nicht gleich Leim. Für fast alle Heimwerkerarbeiten eignet sich der populäre Weißleim sehr gut. Hier solltet ihr je nach Anwendung aber einen Blick auf die Beanspruchungsgruppe (D1 bis D4) werfen, damit der Leim im wahrsten Sinne hält was er verspricht.


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