Scharfe Handsäge Heutige Handsägen werden kaum noch geschärft. Viele besitzen Wechselsägeblätter, die nach dem stumpf werden einfach durch ein neues Sägeblatt ersetzt werden. Doch es gibt auch Handsägen, deren Sägeblatt nicht so einfach ausgetauscht werden können, wie zum Beispiel bei Fuchsschwanzsägen, der Feinsäge oder bei älteren Modellen, wie eine Spann- oder Absatzsäge.

Damit ihr auch weiterhin eine scharfe und allzeit bereite Säge in der Werkstatt habt, zeigen wir euch in unserer neusten Anleitung, wie man solche Sägen schärft.

Bevor wir jedoch zur Tat schreiten, gibt es noch einen kurzen Theorie Teil.

Theorie

Schneidevorgang

Das mit Sägezähnen bestückte Sägeblatt trennt das Holz auf, indem es in eine beliebige Richtung eine schmale Schnittfuge ausspant. Jeder einzelne Zahn nimmt schabend einen dünnen Span ab, der dann in der Zahnlücke aus dem Werkstoff transportiert wird.

Durch diese starke Beanspruchung der Zähne wird eine Säge mit der Zeit stumpf. Auch nutzen sich die Sägezähne unterschiedlich stark ab, da beim Arbeiten keine gleichmäßige Abnutzung vorhanden ist.

Nicht jedes Sägeblatt kann nachgeschärft werden

Bevor wir voller Tatendrang die alte Säge auf Fordermann bringen können gilt es jedoch zu beachten, dass nicht alle Sägeblätter zum Schärfen geeignet sind.

Alle nicht speziell gehärteten Zähne können grundsätzlich geschärft werden. Einige Sägeblätter werden heutzutage besonders behandelt und weisen somit gehärtete Zahnspitzen auf. Der Vorteil dabei ist, dass die Zähne  beim Arbeiten nicht so schnell abbrechen. Ein klarer Nachteil jedoch ist, dass diese Sägeblätter nicht nachgeschärft werden können.

Kommen wir nun zum eigentlichen Schärfvorgang.

Praxis

Benötigtes Werkzeug:

Für den Schleifvorgang werden einige Werkzeuge benötigt:
Werkzeug

  1. Flachfeile: Sie bildet im Querschnitt ein flaches Rechteck.
  2. Dreikantfeile: Ihr Querschnitt hat eine Dreiecksform.
  3. Schränkzange oder Schränkeisen: Eine spezielle Zange (bzw. Eisen), die für das biegen der Sägezähne verwendet wird.
  4. Feilkluppe: Eine spezielle Spannvorrichtung, die zur Befestigung des Sägeblattes beim Schärfen verwendet wird.
  5. Abzieh- oder Schleifstein: Ein Natur- oder Kunststein, der zum Abziehen eines Grates verwendet wird.

Das richtige Einspannen des Sägeblattes

Das Sägeblatt wird längs in eine Feilkluppe gespannt. Alternativ kann man das Sägeblatt zwischen zwei glatten Leisten mit zwei Zwingen bzw. einem Schraubstock spannen.

Die Zahnspitzen müssen in einer Linie horizontal liegen. Zusätzlich sollte der Abstand der Zähne zur Spannvorrichtung  so gering wie möglich sein. Somit werden störende Vibrationen beim Feilen, die den Schleifvorgang beeinträchtigen können, vorgebeugt.

Schritt 1:

Bei einer leichten Abnutzung des Sägeblattes, können die Schritte 1, 2 und 3 übersprungen  und direkt mit Schritt 4 begonnen werden.

AbrichtenZuerst müssen wir die Zahnhöhe vom Sägeblatt überprüfen. Diese sollte bei allen identisch sein.

Ist diese jedoch unregelmäßig, muss zu allererst die Höhe der Zähne angeglichen werden. Diesen Vorgang nennt man Abrichten.

Dabei feilt man, mit der vorher bereit gelegten Flachfeile, solange über die Spitzen der Sägezähne, bis sich an diesen eine kleine, aber sichtbare, Fläche gebildet hat.  Die Zähne sollten anschließend identisch hoch sein.

Schritt 2:

Zähne durchfeilenMit einer Dreikantfeile werden jetzt die Zähne gleichmäßig gefeilt, bis sie wieder eine scharfe Spitze aufweisen.

Dabei ist zu beachten, dass die Winkel der Zähne eingehalten werden müssen.

Hierfür wird zunächst jede zweite Zahnlücke ausgefeilt. Anschließend wird das Sägeblatt gewendet und der Schritt bei den verbleibenden Lücken wiederholt.

Wichtig ist jedoch, das nur so lange gefeilt wird, bis die Zahnkopfflächen gerade verschwinden.

Schritt 3:

Das Schränken, also das wechselseitige Auseinanderbiegen der Sägezähne, wird mit einer Schränkzange durchgeführt. Dieses ist nötig, damit das Sägeblatt beim Sägen nicht klemmt bzw. ins Stocken gerät. Die Schränkung muss  zu beiden Seiten hin gleich sein, da sonst das Sägeblatt in die Richtung der stärker geschränkten Zähne verläuft. Ein gerader Schnitt wäre somit nicht mehr möglich.

SchränkzangeBeim Schränken ist darauf zu achten, dass der Zahn nur in die Richtung gebogen wird, in der er schon  vorher gebogen war.  Sollten die Zähne in die entgegen gesetzte Richtung gebogen werden, kann es passieren ,dass  der Zahn abbricht.

Die Schränkweite (die Biegung der Zähne) sollte etwa das 1,5- bis 1,7- fache der Sägeblattbreite betragen. Die Schränktiefe sollte etwa 1/3 der Zahnhöhe betragen um das optimale Ergebnis zu erzielen.

Auch hierbei wird, wie bereits beim vorherigen Schritt, zuerst jeder zweite Zahn gebogen. Anschließend muss das Sägeblatt gewendet werden um die verbleibenden Zähne zu biegen.

Schritt 4:

Zähne schärfenKommen wir nun zum eigentlichen Schärfen. Hierfür wird eine Dreikantfeile verwendet.

Bei Längsschnittsägen wird die Feile horizontal und rechtwinkelig zum Blatt in der Zahnlücke geführt. Bei Querschnittsägen hingegen horizontal und diagonal zum Blatt.

Brust und Rücken (die beiden Seiten eines Zahnes) müssen gleichzeitig bearbeitet werden.

Die Feile sollte nur in der Vorwärtsbewegung abtragen, bei der Rückwärtsbewegung muss sie leicht angehoben werden.

Schritt 5:

AbziehenDer entstandene Grat beim Feilen wird anschließend mit einem feinen Schleifstein oder einem groben Abziehstein abgezogen.

Das Sägeblatt kann nun aus der Spannvorrichtung gelöst und auf eine ebene Unterlage gelegt werden.

Als nächstes wird der Abziehstein flach auf eine Seite des  Blattes gelegt und leicht darüber geführt. Danach wird das Sägeblatt gewendet und der Schritt wiederholt. Zusätzlich hat es den Vorteil, das die Schränkung der Zähne gleichmäßiger wird.

Zusammenfassung

Vorher-Nachher-VergleichHeutzutage wird kaum noch ein Sägeblatt geschärft. Durch die Wegwerfblätter gerät das handwerkliche Wissen über das Sägen Schärfen immer mehr in Vergessenheit.

Bei leicht abgenutzten Sägeblättern ist es schon mit einer Dreikantfeile getan.

Ist das Sägeblatt stärker abgenutzt muss etwas mehr Arbeit investiert werden, die sich jedoch lohnt. Besonders das Schränken der Sägezähne erfordert eine Menge Geduld. Aber auch hier gilt, Übung macht den Meister und wer lernt nicht gern etwas Neues dazu?

Wir wünschen euch viel Spaß beim Handsägen schärfen.


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