DER Fuchs recherchiert: Wie entstehen eigentlich Stichsägeblätter?

Die Stichsäge ist eines der beliebtesten und am häufigsten anzutreffenden Elektrowerkzeuge im Hausgebrauch. Wenn jedoch nicht das richtige Stichsägeblatt zur Hand ist, kann die Säge an sich noch so toll und leistungsstark sein, der Schnitt wird einfach nicht sauber.

Doch was gibt es bei der Wahl des richtigen Blattes zu beachten und wie entsteht so ein Stichsägeblatt eigentlich? All das erfahrt ihr in unserem heutigen Beitrag von “DER Fuchs recherchiert”.

Stichsägeblätter und ihr Einsatzgebiet

Nur mit dem richtigen Stichsägeblatt wird das gewünschte Material sauber und ordentlich zerteilt.

Angeliefert wird der Stahl zu Weiterarbeitung dabei auf großen Rollen um eine schnelle und verschnittarme Weiterverarbeitung zu Sägeblattrohlingen zu gewährleisten.

Die Stichsägeblätter sind im wesentlichen in 4 Materialgruppen unterteilt:

CV – hochlegierter Chrom-Vanadium Stahl
Stichsägeblätter aus Chrom-Vanadium Stahl, werden für die Bearbeitung in weicheren Materialien, beispielsweise Holz, Holzfaserplatten oder Kunststoffe, eingesetzt.

HSS – hochleistungsschnellstahl
Genau das richtige Blatt für die Bearbeitung von härteren Materialien wie zum Beispiel Eisen, Stahl, Aluminium und Buntmetallen.

Bi-Metall – Federstahl mit aufgeschweißtem HSS-Streifen mit Cobalt
Dieses Sägeblatt bietet die perfekt Kombination zwischen Flexibilität und Härte. Hiermit wird eine Bearbeitung von Hölzern und Metallen zum Kinderspiel.

HM – Hartmetall
Diese Stichsägeblätter gibt es für alle Anwendungsbereiche. Ihre Verschleißfestigkeit und die dadurch höchste Standzeit zeichnen diese Blätter aus.

Es war einmal ein Rohling

Die Herstellung von Stichsägeblättern beginnt mit einem so genannten Rohling. Dieser entsteht über 2 mögliche Wege:

1. . CNC-programmierbare Laser-Schneidanlage

Am Anfang der Fertigung steht erst einmal der Stahl. Der Bandstahl wurde in einem Spezialverfahren gehärtet, sodass erhebliche Vorteile gegenüber unseren konventionellen Sägeblättern im Hinblick auf Standzeit, Bruchresistenz und Kurvengängigkeit erzielt werden. Durch eine entsprechende Programmierung in der CNC Laser-Schneidanlage, lasert nun diese einen Rohling aus dem Stahl heraus.

Aber nicht alle Sägeblätter können nach diesen Verfahren hergestellt werden, und genau deshalb gibt noch die 2. Möglichkeit.


2. Ausstanzen

Die zweite Möglichkeit ist das Ausstanzen eines Rohlings aus dem Stahl. Anders als beim Laserverfahren wird hierfür jedoch kein gehärteter Bandstahl verwendet. Die Stanze presst also mit Hilfe einer vorgefertigten Form (Stanzwerkzeug), einen Rohling aus dem Stahl heraus.

Bei der Herstellung des Rohlings wird übrigens auch schon die Aufnahme des Stichsägeblattes bestimmt. Einige Stichsägentypen haben nämlich unterschiedliche Aufnahmen.

Stichsägeblatt mit Bosch Aufnahme

Stichsägeblatt mit Makita Aufnahme

Was wäre ein Sägeblatt ohne seine Zähne?

Nach dem fertigen der Rohlinge erhalten diese ein Gebiss, bzw. ihre Verzahnung. Hierbei gibt es viele verschiedene Arten , die für die verschiedensten Anwendungszwecke benötigt werden. Hier ein paar Beispiele:

  • kreuzgeschliffen, konisch –> sauberer, präziser Schnitt
  • kreuzgeschliffen, geschränkt –> schneller, sauberer Schnitt
  • gefräst, geschränkt –> rauer, schneller Schnitt
  • gefräst, gewellt –> feiner Schnitt

Die Verzahnung ist also sehr wichtig für das Schnittergebnis. Auch hier gibt es wieder mehrere Möglichkeiten für die Herstellung:

1. Schleifen

Im Schleifzentrum wird die Zahnleiste mittels Schleifscheiben in den Rohling geschliffen. Dies passiert dadurch das eine so genannte Abrichtrolle mit dem entsprechend benötigten Zahnabstand auf die Schleifscheibe gepresst wird. Durch diese Schleifscheibe wird dann die Verzahnung in den Rohling geschliffen. Somit erhalten die Zähne auch den richtigen Schliff für den entsprechenden Werkstoff.

2. Fräsen

Beim Fräsen werden die Schleifscheiben durch Fräser ersetzt. Diese fräsen die Verzahnung in den Rohling und lassen so das Sägeblatt entstehen.

Erst wenn der Rohling fertigt verzahnt wurde, spricht man von einem Stichsägeblatt. Nun fehlt eigentlich nicht mehr viel zum fertigen Sägeblatt so wie wir es aus dem Laden kennen.

Die letzten Schritte

Je nach Sägeblatt, kann es nun noch vorkommen das eine Schränkung der Zähne notwendig ist, oder das diese noch konisch geschliffen werden. Bei Blättern mit geschränkten Zähnen, wird die  Holzfaser durch die schräge Winkelstellung der Zähne zerschnitten. Diese Form der Verzahnung verleiht dem Blatt eine sehr hohe Schnittgeschwindigkeit.

Bei den konisch geschliffenen Blättern wird die Holzfaser aufgrund der zum Holz schräg stehenden Zahnform zerschnitten. Die so geschliffenne Flanken berühren nicht die Schnittfuge, daher entsteht ein sehr sauberer Schnitt.

Der Vorgang des Schränkens funktioniert vollautomatisch über einen so genannten Schränkautomaten. Hier werden die Zähne abwechselnd in die eine oder andere Richtung gebogen. Der Vorgang des Konischschleifens erfolgt ebenfalls vollautomatisch.

Die am Anfang ausgestanzten Rohlinge müssen nun noch gehärtet werden und kommen dafür in die so genannte Härterei. Dort erhalten die Blätter nun ihren entsprechenden Härtegrad, welcher für das zu schneidende Material vorhanden sein muss. Zum Beispiel erhalten unsere vorher beschrieben CV Blätter einen Härtegrad von 51 HRC, Bi-Metall Blätter ca. 64 HRC und HSS Blätter 61 HRC.

Somit ist unser Stichsägeblatt schon fast fertig. Es erfolgt noch die firmenspezifische Bedruckung und das anschließende Verpacken. Je nach Verpackungseinheit werden die Blätter nun zum Beispiel in 1er, 2er oder 5er Einheiten verpackt. Schon kann die Reise in Verkaufsregale, und natürlich zum BefestigungsFuchs, losgehen.

Wusstet ihr eigentlich…

… das die Stichsäge mittlerweile über 60 Jahre alt ist. Erfunden wurde das Gerät von Albert Kaufmann, einem Mitarbeiter der schweizerischen Scintilla AG. Und was noch kaum vorstellbar ist, ist die Tatsache,  dass als technisches Vorbild der Stichsäge die Nähmaschine diente.

Albert Kaufmann  fand nämlich heraus, dass wenn in der Nähmaschine seiner Frau ein Sägeblatt einspannte, er wunderbare kurvige Schnitte in Holz vollführen konnte. Zu damaligen Zeit war dies ein großes Problem denn Kurven in Holz zu erstellen waren alles andere als einfach.

Die Idee wuchs und 1947 begann die Firma Scintilla mit der Produktion der so genannten “Lesto-Stichsäge”. Die erste elektrische Handstichsäge war also geboren.

Übrigens: Die Scintilla AG wurde 1954 von Bosch aufgekauft und gehört seitdem der Bosch Gruppe an.

Ziemlich interessant, oder?

Wir danken recht herzlichen der Firma MP.S Sägen für die Bereitstellung der Bilder und die große Hilfe beim Zusammentragen der Informationen.


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Erstellt am von Kathrin Schuller in Materialkunde 1 Kommentar

Antworten auf DER Fuchs recherchiert: Wie entstehen eigentlich Stichsägeblätter?

  1. Eike-Christian Köhlinger

    Super erklärt, vielen Dank!!!

     

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